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Meditative Fotografie

Henri Cartier-Bresson

Man redet immer zu viel

Der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908-2004) zählt mit Sicherheit zu den renommiertesten Vertretern seines Fachs. Seine Fähigkeit den Augenblick mit der Kamera festzuhalten, intuitiv „millimetergenau“ schon beim Fotografieren den Ausschnitt festzulegen – ich finde das bewundernswert. Und Schwarzweiß als Stilmittel, um auf das Wesentliche zu reduzieren (obwohl Cartier-Bresson ursprünglich aus der Malerei kommt), mag ich sehr.
Deshalb hat mich der Buchtitel „Man redet immer zu viel. Gespräche über das Leben, die Kunst und die Photographie 1951-1998“ (Verlag Schirmer/Mosel) spontan angesprochen. In 12 Interviews erzählt der Fotograf über seinen Werdegang, seine Reisen, Begegnungen und seine Ansichten über das Fotografieren.

Manche Sätze aus dem Buch bringen meinen Zugang zur Meditativen Fotografie auf den Punkt. Hier drei Beispiele:

“Aber es gibt nichts zu sagen. Man muss schauen, und Schauen ist so schwierig. Man ist gewohnt zu denken. Wir grübeln die ganze Zeit, mehr oder weniger, aber man bringt den Leuten nicht bei zu sehen. Das dauert. Es braucht enorm viel Zeit, sehen zu lernen.”

“Es ist eine Illusion, dass Fotos mit der Kamera gemacht werden… sie werden mit dem Auge, dem Herz und dem Kopf gemacht.“

„Es gibt keine Regeln, jeder muss seinen Weg selbst
finden, es gibt tausend Wege. Ich finde, man muss sich
vollständig verlieren, um aufzugehen, um wie ein Fisch
im Wasser zu sein.”

Auch wenn zu seiner Zeit noch niemand über „meditatives“ oder achtsames Fotografieren sprach, hat Cartier-Bresson aus meiner Sicht diese Art des Fotografierens praktiziert – wenngleich die Streetfotografie grundsätzlich nochmal einen anderen Ansatz hat.

Was aber für mich der prägnanteste Satz von ihm ist, wenn es um die Meditative Fotografie geht:

„Das eine Auge des Fotografen
schaut weit geöffnet durch den Sucher,
das andere, das geschlossene,
blickt in die eigene Seele.“

Man redet immer zu viel. Manchmal sollte man einfach schweigen und schauen. Nach außen und nach innen.

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