Zu verschenken
Da hatte jemand Lust auf Entrümpeln, war mein erster Gedanke, als ich das Präsent an der Straße stehen sah. Dass man solche Figuren nicht einfach im Müll entsorgt, war mir, der ich in einem traditionell katholischen Milieu aufgewachsen war, eine Selbstverständlichkeit. Also, vielleicht kann ja jemand den Kitsch gebrauchen…
Als ich mich zuhause noch einmal mit dem Foto beschäftigte, hatte ich den Eindruck, dass mir dieses Bild irgendwas sagen wollte. Etwas, das nicht mit Entrümpeln abzutun war. Da steckte fotografisches Storytelling drin!
Die dominierende Herz-Jesu-Statue, die zwar nicht wirklich meinen Kunstgeschmack trifft, aber die mich zurückführt in die Zeit vor 2000 Jahren, als ein Wanderprediger unterwegs war, der ein großes Herz hatte für die Menschen.
Die Marienfigur, die mit ausgebreiteten Armen zu sagen scheint: Schaut auch den Mist da draußen an! Den Engel mit seiner Lyra, der ja nicht gerade zu frohlocken scheint. Und den Wecker ganz unten rechts, der sich bedrohlich der 5-vor-12-Marke nähert.
Zu verschenken! Herz zu verschenken, Liebe zu verschenken – wäre das nicht eine alternative Weihnachtsidee, die in dieser Kiste steckt?
Da ist noch das Steuerrad oder der Kompass, der das Seitenteil der Kiste ziert. Wohin soll die Reise gehen nach diesem chaotischen 2025?
Vielleicht wäre es ja ein Motto für 2026: Ich lasse mich beschenken vom Leben und ich habe ein Herz voller Mitgefühl und Liebe, das sich verschenken möchte. Nur so eine Idee…