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Meditative Fotografie

Kachelofen

Was wärmt uns in kalten Zeiten?

Ein ausgedienter Kachelofen im Freien, bedeckt mit einer kalten Schicht aus Schnee. Eigentlich sollte er in einer Stube stehen, das Holz darin knistern und die Menschen mit wohliger Wärme erfüllen. Doch stattdessen steht er verlassen vor einem Laden, selbst der Kälte ausgeliefert.

Das Paradoxe dieses Bildes ließ mich innehalten. Es spiegelt so vieles wider, was wir momentan spüren: Eine gesellschaftliche und persönliche Kälte, die wir wohl alle in irgendeiner Form spüren. Kriege, Krisen, das Gefühl von Einsamkeit oder das Zerbrechen von Beziehungen lassen uns oft wie diesen Ofen zurück – das innere Feuer scheint erloschen, die Umgebung ist frostig.

Wie bewahren wir uns die Wärme in diesen Zeiten? Und wie entfachen wir das Feuer neu, das vermutlich vor Corona-Zeiten noch eine andere Qualität (zumindest höre ich das immer wieder sagen) hatte? 

Manchmal habe ich das Gefühl, wir bräuchten so etwas wie einen „Brennstoff für die Seele“.
Vielleicht gibt es ja ein paar Mini-Strategien, die uns helfen können, zum Beispiel:

  • Kleine Rituale der Selbstfürsorge: Wenn die Welt laut und kalt ist, könnten kleine Rituale hilfreich sein: Eine heiße Tasse Tee, das bewusste Atmen oder zehn Minuten Stille. Es geht darum, den Raum in uns wieder bewohnbar zu machen.
  • Die Gemeinschaft als wärmendes Feuer: Ein einzelnes Stück Holz verglüht schnell. Viele Holzscheite zusammen halten die Wärme über Stunden. Der Austausch mit Freunden, mit denen ehrliche und tiefergehende Gespräche möglich sind, aber auch das gemeinsame Lachen sind der sicherste Schutz gegen die soziale Kälte.
  • Bewusste Fokus-Verschiebung: Wir können nicht kontrollieren, ob vor unserer Haustür klirrende Kälte herrscht. Aber wir können entscheiden, wohin wir unseren Blick richten. Fokussieren wir uns nur auf die Kälte, oder können wir in der Natur vielleicht schon Knospen entdecken, die auf den kommenden Frühling hinweisen? (Ja, die gibt es tatsächlich!)

Versuchs doch mal mit Fotografieren

In der Meditativen Fotografie geht es nicht nur um das Abbilden von Motiven, sondern um Symbole und Zeichen, die in Bildern sichtbar werden. Wie wäre es z.B. mit einem kleinen Fotoprojekt:

Der Kontrast zwischen Kalt und Warm

Suche gezielt nach Gegensätzen. Ein kleiner Lichtstrahl, der auf eine gefrorene Fläche trifft. Ein farbenfrohes Detail (eine rote Beere, ein bunter Schal) inmitten einer grauen, winterlichen Szenerie.

  • Fototipp: Nutze die „Blaue Stunde“ kurz nach Sonnenuntergang. Das kühle, blaue Umgebungslicht lässt jedes warme Licht aus Fenstern oder von Kerzen besonders intensiv und einladend wirken.

Die Suche nach der „verborgenen Glut“

Fotografiere Symbole der Hoffnung. Vielleicht ist es die Knospe, die bereits am Ast wartet, oder ein Fußabdruck im Schnee, der zeigt: Ich bin hier nicht allein, jemand ist diesen Weg schon gegangen.

  • Fototipp: Gehe nah ran (Makro-Perspektive) oder benutze eine lange Brennweite mit offener Blende. In der Unschärfe des Hintergrunds (Bokeh) können Lichter wie kleine Funken wirken, die das Bild erwärmen.

Fang die Sonnenstrahlen ein

Versuche, Wärme fühlbar zu machen, ohne dass Feuer im Bild ist. Unser Wohnzimmer hat zwei Fenster nach Osten und es ist ein großartiges Schauspiel, wenn die ersten Sonnenstrahlen warme Lichtkegel an die Wand zaubern. Wirkt übrigens genauso intensiv, wenn die Sonne im Westen untergeht.

  • Fototipp: Achte auf die Farbtemperatur. Ein leichter Hang zum Gelb/Orange in der Nachbearbeitung kann die emotionale Temperatur eines Bildes sofort heben. (oder: Stichwort Weißabgleich, den man bereits beim Fotografieren in der Kamera einstellen kann.)

Entfache das Feuer!

Der Kachelofen auf meinem Bild mag gerade kalt sein, aber seine Bestimmung ist darauf ausgelegt, Wärme zu speichern. Auch wir tragen diese Bestimmung in uns. Manchmal braucht es nur einen kleinen Funken – einen Gedanken, eine Begegnung oder ein Bild –, um das Feuer wieder zum Brennen zu bringen.

Vielleicht magst du beim nächsten Spaziergang ganz bewusst nach einem Symbol der Wärme Ausschau halten und es mit deiner Kamera festhalten.

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