Die perfekte Kamera für Meditative Fotografie?
Wie in früheren Zeiten – aber digital
Wie spannend war das in früheren Zeiten! Ich kann mich gut erinnern an das Gefühl, wenn ich von einem Urlaub zurück kam und meine Filme zum Entwickeln gab. Da hieß es eine Woche warten, bis ich die Abzüge oder Dias aus den 12, 24 oder 36er-Filmen in Händen hielt. Danach die Freude oder auch Enttäuschung über die Ergebnisse. Es gab keine zweite Chance, es sei denn, ich wollte meine Urlaubsorte ein weiteres Mal aufsuchen.
Aber ich war von Haus aus gezwungen, bewusster zu fotografieren – einfach Löschen nach der Aufnahme war nicht.
Erst entwickeln, wenn der „Film voll“ ist
Kürzlich entdeckte ich im Internet eine Kamera, die mit dem „Filmmodus“ genau diese Funktion enthält: einen Film und die Anzahl der Bilder auswählen – in diesem Fall angelehnt an frühere analoge Halbformat-Filmrollen – 36, 54 oder 72 Aufnahmen machen und erst, wenn „der Film voll ist“, mit Hilfe der dazugehörigen App die entstandenen Fotos „entwickeln“. Dieser Modus enthält keine Möglichkeit, die Fotos direkt nach der Aufnahme am Display anzusehen und gegebenenfalls zu löschen. Nach jeder Aufnahme muss ein Transporthebel betätigt werden, um das „Weiterspulen“ zu simulieren.
Geschichten erzählen mit der Diptycon-Funktion
Eine weitere Besonderheit: Das Display der Kamera (und damit der Sensor) ist im Hochformat verbaut. Mit der Diptychon-Funktion (zwei zusammengehörige Bilder, die als eine Einheit gedacht sind) können 2 hochformatige Bilder nacheinander aufgenommen werden, die dann wie auf einem 36x24mm-Film nebeneinander eine kleine Geschichte erzählen können. Man wird quasi dazu verleitet, reflektierter zu fotografieren.
Hin zu mehr Achtsamkeit?
Ein interessanter Weg, den hier Fuji mit der x half geht. Nicht noch mehr Pixel und noch schnellere Serienaufnahmen, sondern bewusster fotografieren steht im Vordergrund.
Vielleicht entsteht ja ein Trend weg von der Technikverliebtheit der großen Kamerahersteller hin zu einer ursprünglichen Haltung, die früher die Fotografie prägte. Ich würde es mir wünschen.
Wenn dich die Kamera interessiert, empfehle ich dir das Video „Die Storytelling Kamera“ von Thomas B. Jones auf Youtube.
https://www.youtube.com/watch?v=pV0WN9TuPnM
Back to the Roots
Auch wenn die Fuji x half in den Kommentaren zu den meisten Videos als überteuertes Spielzeug abgetan wird – die Grundidee, eine solche Kamera auf den Markt zu bringen, finde ich trotzdem bemerkenswert. Sie ist definitiv nicht gedacht für Technik-Enthusiasten, aber als Anstoß für achtsameres und ablenkungsfreies Fotografieren ist sie aus meiner Sicht durchaus eines Blickes wert.