Meditative Fotografie

Meditative Fotografie

Denn das ist eben die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu allem macht.

Johann Wolfgang von Goethe

Sie lebt in der Poesie

„Sie lebt in der Poesie“ – diese handgeschriebenen Worte an einer Wand in Passau haben mich berührt. Beim Dahinschlendern entlang des Inns tauchten sie plötzlich auf und ließen mich stehen bleiben. Wer hat diese Worte an die Wand gekritzelt? Wer ist diese „Sie“? Offenbar geht es um eine Liebeserklärung, an eine Frau, die der Welt nicht zuerst mit dem Verstand begegnet, sondern mit dem Herzen. Die in Bildern denkt, die Tag für Tag staunend entdeckt, was anderen verborgen bleibt.

Ich mag Poesie

Ich mag Poesie, diese Sprache der Bilder, emotional, meist tiefgründig, nach Antworten suchend auf die Widersprüche des Lebens und unserer Zeit. Das Bild weckt in mir das Gefühl, selbst tiefer in diese Haltung eintauchen zu wollen. Die raue Wand, die unperfekte Handschrift – das alles kommt aus dem Herzen, ist echt, gefühlt und nicht hochglanzpoliert.

Es zeigt mir, dass Poesie nicht nur in Büchern wohnt, sondern in Gassen, auf Wänden und in uns selbst.

Was mich bewegt

Beim Fotografieren spürte ich eine große Dankbarkeit und Sehnsucht. Diese Worte erinnern mich daran, dass auch mein Leben poetisch sein darf – sensibel, bildhaft, voller Nuancen. Sie laden mich ein, die Poesie der Natur im Alltag zu entdecken: den gemächlich neben mir dahinfließenden Inn, das warme Licht zwischen den Bäumen, die ersten Knospen, die den Frühling in sich tragen.

Der Spruch berührt mich, weil er von Freiheit spricht – Freiheit, nicht nur zu funktionieren, sondern zu fühlen, zu staunen, wieder mal Gedichte zu schreiben, wie ich es früher so oft getan habe.

Mach dich auf den Weg

Nimm doch deine Kamera oder das Smartphone und mache dich auf die Suche nach der Poesie der Straße: an Wänden, Zäunen, Bänken oder sogar in der Natur, wo Menschen ihre Gefühle in die Rinde eines Baumes geritzt haben.

  • Achte auf Handschriften, Aufkleber, Graffiti oder Sprüche, die dich ansprechen.
  • Fotografiere achtsam und bewusst: Spiele mit Licht, Schatten, Nähe – lass die Worte oder Symbole in dir atmen.
  • Frage dich danach: Was berühren sie in dir? Lebst du auch in der Poesie, und wenn es nur für einen kurzen Moment ist?

Wäre doch schön, wenn jemand beim Betrachten deiner Bilder auch denkt: Sie oder er lebt in der Poesie!

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