Meditative Fotografie

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Spuren im Schnee

Es ist Sonntagmorgen. Die Luft ist klar und der blaue Himmel lädt ein, raus zu gehen in die Natur und Energie zu tanken. Über Nacht hat es geschneit, wie ein weißer Teppich liegt der Schnee auf der Landschaft.  

Ich bleibe stehen und vielleicht zum ersten Mal lasse ich die Spuren, die sonst nicht sichtbar sind, bewusst auf mich wirken. Spuren von Autos und Fahrrädern, von Menschen und Tieren heben sich aus dem sanften Weiß ab. Linien, Kurven, Muster. Manche klar und sicher, andere eher zögerlich, suchend. Gerne würde ich wissen, wer diese Spuren hinterlassen hat.

Unwillkürlich taucht in mir die Frage auf, was die Spuren mir erzählen möchten. Jede und jeder von uns hinterlässt ja ständig Spuren – nicht nur in der Landschaft, sondern im Leben – durch das, was wir tun, sagen und ausstrahlen. Jede Begegnung, jedes Gespräch, jede Handlung wirkt auf andere, manchmal sichtbar, manchmal kaum wahrnehmbar. Ich glaube, dass nichts ganz ohne Wirkung bleibt.

Mag sein, dass es nur ein Lächeln ist, das die Stimmung eines anderen Menschen hebt und das er weitergibt. Vielleicht ist es ein Wort oder ein Satz, der bei jemandem etwas auslöst, ein Kompliment, eine Frage…

Wenn du zurückdenkst an deine Kindheit oder Jugend – möglicherweise hat dich ein einziger Satz deiner Eltern so berührt, dass er dein Leben geprägt hat. Oder eine Geste, die deine Sicht auf das Leben um 180 Grad gedreht hat.

Ich denke zurück an meine 9 Jahre dauernde Internatszeit. Vieles, das ich dort erleben musste, hat Spuren in mir hinterlassen, leider auch viele unschöne.

Als wir die beiden letzten Jahre, die ich dort verbrachte, einen neuen Chef bekamen, konnte ich erleben, was das im positiven Sinne heißt, wenn ein Mensch Spuren hinterlässt. Durch kleine Gesten, oft einen Satz, eine Einladung, ein Buch und vieles andere mehr hat mir mein damaliger Chef, der leider schon verstorbene Georg Weinzierl († 27.04.2012) gezeigt, wie man Leben auch gestalten kann. Klar, bodenständig, unsentimental, einfach durch sein Vorbild hat er Zeichen gesetzt. Niemand hat mein weiteres Leben so geprägt wie er. Ich könnte hunderte Beispiele erzählen.

Wenn ich an ihn denke, falle ich immer wieder zurück auf die Frage: Welche Spuren hinterlasse ich in meinem Leben? Ich werde mich nie an meinem Vorbild messen können, aber ab und zu bemerke ich doch, dass ich in seinen Fuß-Spuren unterwegs bin. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.

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